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Nach dem wir uns die letzen Tage immer höher hinaus wagten, wurde es Zeit für die eigentliche Herausforderung dieser Reise, die Besteigung des Cotopaxi, des größten aktiven Vulkans der Welt.

Höhenanpassung auf der Berghütte

Zur optimalen Einstimmung auf die kommende Höhe und um einen täglichen Blick auf den Vulkan genießen zu können, fuhren wir in den Nationalpark Cotopaxi auf die Berghütte CaraSur. Die Berghütte lag gleich mal auf 4000 Meter Höhe und bestand aus einem Haupthaus (Aufenthalt und Essen) und kleinen einfachen Häusern zur Übernachtung (ganz schön kalt und zugig). Da es vor Ort eigentlich keiner lebt, sorgte für unser leibliches Wohl ein junges Pärchen, das mit uns hochgefahren ist. Das war insofern wieder toll, da wir so frisch zubereitetes kraftvolles Essen bekamen und außer uns, keiner da war.

Wie zu erwarten war, blieb uns auch hier nicht allzuviel Zeit zur Entspannung. Die ersten zwei Tage verbrachten wir mit wandern in der Umgebung und am dritten Tag ging es los zum Berg.

 

Auf zum Bascamp

Tag drei, war also der Tag des Aufbruches. Für uns hieß das erst einmal eine kurze Einweisung in das gehen in Zweiergruppen mit Führern im Eis, die Benutzung des Eispickels und benötigten Gamaschen und Steigeisen an das Schuhwerk anpassen. Danach packten wir unsere Sachen für den Berg und den Weg zum Camp, sowie die im Camp benötigten Utensilien (Schlafsack, Isomatte, erwähnte Steigeisen) zusammen. Letzteres wurde glücklicherweise von Eseln getragen. Nach einer nochmaligen Stärkung, ging es dann gegen 13 Uhr auf zum zweieinhalb stündigen March zum Camp auf 4800 Metern.

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie nervös, aufgeregt und voller Erfurcht wir alle waren. Zwar war so eine Bergbesteigung nur für die Hälfte unserer Gruppe etwas wirklich neues, aber dieser riesige Eisberg den wir seit fast drei Tagen dauernd vor uns sahen, war einfach gewaltig. Im Camp (zwei Zelte, 5 grad und windig) angekommen, gab es dann nochmals eine Stärkung bevor wir uns für 4 Stunden in unsere Schlafsäcke kuschelten. Gemütlich war etwas anderes, aber trotz des Windes der am Zelt rüttelte, der Höhe und Lautstärke der Beteiligten, konnten alle etwas schlafen.

Der Aufstieg

Der Aufstieg begann mit dem Wecken um 23.30 Uhr und dem anziehen der Kleidung und Ausrüstung. Bei jetzt schon nur 5 grad Außentemperatur, also möglichst zuätzliche Unterwäsche, eine bis zwei Isolierschichten und einer wasserfesten Jacke/Hose. Zusätzlich folgten Bergstiefel für hochalpines Gelände, Gamaschen, Hüftgurt, Eispickel, Wanderstock, Stirnlampe und natürlich zu Trinken und Snacks für unterwegs. Leute die mir ihren Stiefeln noch nicht so richtig grün waren, klebten lieber vorsichtshalber noch ein paar Stellen an ihren Füßen ab.

Um 0:45 war dann der Aufbruch. Dabei liefen wir erstmal knapp eine Stunde durchs Lavafeld bis zum Eis. Beim Eis angekommen, zogen wir unsere Steigeisen an und wurden in Zweiergruppen an unseren Bergführer gebunden. Nun gab es kein zurück mehr. 6 Stunden trapten wir im dunkeln (immerhin Mondlicht) durch teils bis zu 40 Grad steilen Eisfelder, immer langsamer werdend auf die Spitze zu. Je höher wir kamen, desto zugiger und kälter wurde es, die Lungen pumpte zunehmens stärker und brauchte mehr Erholungsphasen und irgendwie wollte und wollte der Berg kein Ende nehmen.

Pünktlich zum Sonnenaufgang, gegen 6:00 Uhr waren wir auf dem letzten Abschitt unterhalb des Krates und gegen 7 Uhr endlich oben. Man, war das ein tolles Gefühl. 11 Tage draufhinarbeiten, immer mehr wachsende Zweifel ob man das wirklich schafft, endlich vorbei. Glücklicherweise war ich an diesem Tag konditionell in Höchstform und hatte keinerlei Probleme mit der Höhe.

Abstieg

Nach ca einer halben Stunde wagten wir, immer schwächer werdend den gemeinsamen Abstieg. Da hier die meisten Unfälle passieren (zB. Gletscherspalten) und alle nur noch ins Bett wollten, liefen wir besondern schnell, so das wir schon nach 2,5 Stunden wieder im Camp ankamen. Während es allen alle Anderen nicht schnell genug gehen konnte und sie wohl eher beim Aufstieg zu kämpfen hätten, war für mich wie gewohnt der Abstieg ein Graus.

Im Camp angekommen, war es jedoch noch nicht vorbei. Wir mussten unsere Sachen einpacken, teilweise umziehen und den Heimweg zur Berghütte antreten. Dort wurden wir u.a. von unserem Tourguide mit offenen Armen und voller Stolz empfangen und es gab endlich was Wärmens zu essen. Auch hier hieß es kurze Zeit später aber auch, das gesamte Gepäck einpacken und ab in die Autos und drei Stunden zu kommenden Etappe, nach Banos zu fahren.

Zusammenfassung
Innerhalb 24h: 14h Gehzeit, 1900 -/+ Meter Höhenunterschied



Posted from Latacunga, Pichincha, Ecuador.

4 Antworten zu “Die Besteigung des Cotopaxi (5.897m)”

  • Michael sagt

    Na, das war doch einmal eine ordentliche Bergbsteigung!
    Berg Heil und Glückwunsch zur gelungenen Gipfelbesteigung!
    Die Bilder sind toll. Hoffentlich habt Ihre alles gut verkraftet, damit Ihr die nächsten Herausforderungen auch noch mesistern könnt!
    Weiterhin tolle Erlebnisse und schönen Urlaub

    Helga+Michael

  • Mäusel und Co sagt

    Hallo Bergsteiger, klasse das du es geschafft hast. Da haben sich ja die Strapazen gelohnt.
    Und nun geht es langsam ans abtrainieren und erholen. noch wunderschöne Tage und schöne Aufnahmen.
    Liebe Grüße bis zum nächsten mal.

  • Jens sagt

    Glückwunsch zum 5.897m Berg! Wart ihr tatsächlich auf 5.897m? Oder nen paar Meter drunter? *grins*
    Offensichtlich waren ja ein paar Wolken dort oben, aber runter gucken war ja wohl gut möglich. Toller Blick auf die Wolken ins Tal! Wie kalt war es in etwa?
    Also genießt weiter die grandiose Bergwelt und erholt euch …

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